Praktische Tierhaltung: Koppelanlagen

 

Festzaunanlage aus Knotengeflecht mit einfachem Durchgang
Festzaunanlage aus Knotengeflecht mit einfachem Durchgang

 

 

 

 

 

Gut durchdachte und sorgfältig gebaute Koppelanlagen können uns die Hütearbeit mit unseren Tieren sehr erleichtern. Sie kommen in verschiedensten Bauweisen für die Zäunung von Geflügel bis hin zum Großvieh zum Einsatz.

Grundsätzliche Vorüberlegungen

Zunächst einmal gilt es, rechtliche Vorgaben und Gesetze zu beachten. Hierzu zählen in erster Linie das Tierschutzgesetz, der § 833 BGB „Haftung des Tierhalters“ sowie auch die Vorschriften der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft (LBG).

Um den Ansprüchen unserer Tiere gerecht zu werden, ist die Wahl des richtigen Standortes besonders wichtig. Dabei müssen u.a. die Nähe zu Siedlungen und Verkehrswegen, die Geländestruktur, Erreichbarkeit wie auch Bodenbeschaffenheit, Grünlandertrag und Baumbewuchs beurteilt werden.

Prinzipiell ist die Wahl des Zaunsystems auch abhängig von der „Weidetauglichkeit“ der Tierart (Ziegen z.B. sind sehr „zaunkletterfreudig“!). Besatzstärke, Beweidungsart und sonstige Futternutzung sind ebenfalls zu betrachten.

Selbstverständlich interessieren uns auch die wirtschaftlichen Aspekte! Dabei sind die Kosten insbesondere abhängig von der angestrebten Einsatz -bzw. Lebensdauer (ganzjährige oder saisonale Haltung) und somit von der Materialwahl und dem Herstellungs- bzw. Pflegeaufwand der Anlagen.

Unabhängig vom verwendeten System sollte eine Koppel- oder Weideanlage aus den folgenden Elementen bestehen: Zäune mit Toren u./o. Durchgängen und einem regen- und zugsicheren (an mind. 3 Seiten geschlossenem) Unterstand oder besser Stall (ggf. mit einer Lagermöglichkeit für Futtermittel und Werkzeuge). Weitere wichtige Einrichtungsgegenstände sind regengeschützte Futterraufen in denen für unsere Wiederkäuer ständig Raufutter angeboten werden kann. Tränkefass, Kraftfuttertrog und Leckstein gehören auch dazu. Über eine Lämmerschlupf-Hurde kann die Nachzucht besonders gute Weide erhalten oder mit Kraftfutter zu gefüttert werden.

Auf Obstwiesen haben sich stabile Baumschutzvorrichtungen aus Holzpfählen und horizontal angenagelten Brettern gegen Schäl- und Reibeschäden bewehrt. All das kann man mit etwas Geschick und dem richtigen Werkzeug selber bauen.

 

Fest oder Fliegend?

Im Prinzip unterscheidet man 2 Zaunsysteme: stationäre Festzäune und fliegende, also mobile Zäune.

Festzaunanlagen

Zur Verwendung kommen meist Holzpfähle, an die mit Krampen ein Knotengitter oder Maschendraht befestigt wird. Nadel- und Harthölzer wie Fichte, Kiefer, Lärche, Robinie und Eiche eignen sich bestens. Man kann dieses Stangenholz recht preisgünstig in Sägewerken erwerben, da es dort aufgrund des geringen Durchmessers (10-15cm) eigentlich Abfall ist. Hat man die Möglichkeit im eigenen Wald Holz zu schlagen, geht es kaum noch besser! Die Pfähle werden geschält, angespitzt und im unteren Bereich angeflammt. Dieser Fäulnisschutz ist sehr wichtig! Besonders dort, wo der Pfahl mit der oberen und sehr belebten Bodenschicht Kontakt hat (ca. 10-15cm), kann ein zusätzlicher Kaltanstrich sehr nützlich sein.

Je nachdem wie hoch der Zaun werden soll, schlägt man die Pfähle mit einem Hammer oder einer Pfahlramme im Abstand von etwa 3-4m fest und lotrecht in den Boden ein. Zuvor kann man mit einem Locheisen das Loch vorschlagen. Tipp: bei schweren oder steinigen Böden nach dem Vorschlagen das Loch wässern, so wird die Reibung beim Hineintreiben verringert und man spart jede Menge an Kraft und guter Laune!

Sehr gut zu verbauende Alternative: Kesseldruckimprägnierte Holzpfosten (KDI-Holz). Man sollte aber beachten, dass der Imprägnierschutz mit chemischen Substanzen erreicht wird.
Sehr gut zu verbauende Alternative: Kesseldruckimprägnierte Holzpfosten (KDI-Holz). Man sollte aber beachten, dass der Imprägnierschutz mit chemischen Substanzen erreicht wird.

An allen Ecken der Einzäunung benutzt man besonders starke Pfähle, da dort durch die Spanndrähte hohe Zugkräfte herrschen. Zusätzlich werden hier und alle 10-15m bei geraden Strecken, Streben eingebaut, die eben diese Zugkräfte aufnehmen und den Zaun stabilisieren sollen. Am einfachsten geht man so vor: Der Einschlagpunkt der Strebe wird in immer gleichem Abstand vom Pfahl fluchtgerecht festgelegt. Nun schlägt man dort die Strebe mit einem Vorschlaghammer in einem Winkel von etwa 45° fest ein und drückt sie dann an den Pfahl. Jetzt zeichnet man sich die Schnittführung längs am Pfahl an und sägt ab. Die Strebe in die Flucht drücken, am Pfahl durch starke Nägel fixieren und fertig! Streben ordnet man auch da an, wo die Koppel später einmal unterteilt werden soll. Weiterhin natürlich an den Pfosten von Toren und Durchlässen. Diese Pfosten sollten länger als die anderen sein, da sie später an ihrem oberen Ende mit einem Spanndraht oder einer stabilen Latte verbunden werden, um wiederum die Zugkräfte der Zaunspanndrähte aufzunehmen. Um darunter hindurch gehen oder fahren zu können, eignet sich eine Länge von 2-2,5m.

Stehen alle Pfähle, empfehle ich auf der Höhe des oberen und des unteren horizontalen Drahtes des Knotengeflechts weitere Spanndrähte vorzusehen. An diesen kann man das Knotengeflecht sehr gut befestigen. Vor allem der untere Draht erschwert den Weidetieren das Durchzwängen nach außen und den nicht erwünschten Gästen wie Fuchs und Hund das Eindringen nach innen. Ohnehin sollte man Knotengeflecht wählen, bei dem die unteren Maschen enger und somit einigermaßen fuchssicher sind.

Bei der Geflügelzäunung oder dem Schutz vor Kaninchen bei Forstanpflanzungen hat sich auch das Eingraben des Knotengitters oder ein Umlegen der unteren 20-40cm bewährt. Dann stehen die Tiere bereits auf dem Zaun, wenn sie Wühlversuche unternehmen.

Von großem Nutzen ist es, einen kleineren Bereich um den Unterstand gesondert einzuzäunen, um die Tiere dort für Schur, Klauenpflege oder medizinische Behandlungen einfangen zu können. Hierzu eignen sich auch Pferche aus Holzhurden.

 

Fazit:

Festzaunanlagen eignen sich dort, wo Tiere über längere Zeit oder auch ganzjährig auf Weiden untergebracht werden sollen. Sie können zusätzlich mit stromführenden Litzen versehen werden und sind daher ausgesprochen hütesicher. Dem gegenüber steht der relativ hohe Herstellungsaufwand: Stationäre Zäune erfordern eine sorgfältige Planung und sind zunächst recht arbeits- und kostenintensiv, was aber ihre bis zu 20-jährige und pflegearme Lebensdauer wieder wett macht.

 

Mobile Zäune

Für kurzzeitige Koppeln oder Unterteilungen in größeren Koppelanlagen eignen sich mobile Elektronetze oder Litzensysteme. Bei deren Berührung werden die Weidetiere über elektrische Impulse abgeschreckt. Man benötigt stromleitenden Zaundraht, ein Weidezaungerät und eine gute Erdung. Bei Litzesystemen (Einzeldrähte) sind weiterhin Zaunpfähle an denen verschiedene Isolatoren befestigt werden, nötig. Durch die wahlweise Anordnung Pfähle (Abstand bis 10m) kann man bis in die kleinste Ecke Litzen spannen. Bei E-Netzen verwendet man dazu Einzelpfähle mit denen man ein Netzanschnitt unterteilen kann. Die Eckpfähle sollten zusätzlich mit Spannpfählen stabilisiert werden. Geerdet wird in beiden Fällen mit möglichst mehreren Metallpfählen, die in die Erde geschlagen werden und am Zaungerät angeschlossen sind. Über die Erdung wird bei der Berührung über das Tier der Stromkreislauf geschlossen.

Bei der Wahl des Weidezaungerätes sollte (abhängig von der Tierart und Zaunlänge) auf eine ausreichende Schlagstärke geachtet werden. Der Betrieb erfolgt über Trocken- oder Autobatterien. Mit Solarplatten ausgestattete Geräte sind auch erhältlich.  Die Höhe der Netze bzw. die Zahl der Litzendrähte richtet sich nach der Größe der Tiere

Nicht vergessen: E-Zaun-Warnschilder ca. alle 50m anordnen!

Bei ausreichendem Platzangebot können auch „unruhigere“ Rassen wie das Kamerun-Schaf mit sogen. Schafsnetzen gehütet werden.
Bei ausreichendem Platzangebot können auch „unruhigere“ Rassen wie das Kamerun-Schaf mit sogen. Schafsnetzen gehütet werden.

Fazit:

Mobile Zäune sind recht kostengünstig sowie schnell auf- und abgebaut. Sicher sind sie jedoch nur, wenn sie dauerhaft von Bewuchs frei gehalten werden. So wird verhindert, dass der Strom in den Boden abfließt. Weiterhin sollten jeden Tag Drahtverbindungen und ausreichender Stromfluss mit einem einfachen Zaunprüfgerät (die gibt es bereits ab 10,--EUR) kontrolliert werden.

(Dieser Artikel wurde auch in der Bauernzeitung September 2013 veröffentlicht.)

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