Fütterung der Mutterschafe und Lämmeraufzucht

 

Schon mit der richtigen Fütterung der Mutterschafe nach dem Absetzen ihrer Lämmer

(bei uns mit 3-4 Monaten) beginnt die Vorbereitung auf die nächste Lammung. 

 


Fütterung der Mutterschafe


"Leere" Schafe kurz vor dem Belegen.
"Leere" Schafe kurz vor dem Belegen.

 

Leere oder güste Schafe

 

Bei gutem Grundfutter oder guter Weide sollten erhöhte Kraftfuttergaben jetzt (bzw. schon einige Tage vor dem Absetzen der Lämmer) nach und nach gestrichen werden.

So wird die Milchbildung herunter gefahren und damit Euterproblemen nach dem Absetzen der Lämmer vorgebeugt.

Sind die Mütter jedoch durch den Milchbildungsstress oder mangelhafte Futterbedingungen in der Laktationsperiode (Säugezeit) in einem eher schlechten Ernährungszustand (was bei uns Hobbyschäfern aber wohl kaum vorkommen wird ;-), kann man das durch Kraftfuttergaben ausgleichen.

Das wird i.d.R. im Sommer durch eine gute und junge Weide und/oder gutes Heu sowie eventuellen Kraftfuttergaben im Winter bzw. im Stall erreicht. Ausgehend von einer Lammung pro Jahr hat man bis zur nächsten Deckzeit dafür bis zu 3 Monate Zeit.


 

Bockzeit ist bei uns jetzt immer ab Mitte September, die Lammungen erfolgen dann ab Mitte Februar (nach 5 Monaten +/- 2-5 Tagen, meistens innerhalb weniger Tage).

Die Bocklämmer werden ab Juni (mit 3-4 Monaten) abgesetzt, kommen in unsere Bockgruppe oder werden verkauft.

Die weiblichen Lämmer (Nachzuchtreserven) verbleiben bis Mitte September in der Mutterschafgruppe.

 

 

In kommerziellen Mast- und Zuchtbetrieben werden 3 Lammungen in 2 Jahren angestrebt. Das bedeutet aber zwangsweise, dass man mindestens 2 Mutterschafgruppen auf unterschiedlichen Flächen halten muss. Dazu kommt ggf. auch noch eine Bockgruppe, die aus Zuchtböcken und männlichen Absetzlämmern besteht. Das erfordert nicht nur viel Platz, sondern auch eine Menge Zeit und Arbeit….. Das sollte man vorher bedenken!


Etwa einen Monat vor der geplanten Deckzeit kann man eine sogenannte Stoßfütterung durchführen, denn eine gute körperliche Konstitution kann zu einer günstigeren Ovulationsrate (also zu einer erhöhten Anzahl der befruchtungsfähigen Eizellen) und damit zur erhöhten Wahrscheinlichkeit von Zwillingslämmern führen.

Man nennt das auch „Flushing-Effect“ (übersetzt das lieber nicht! flush – spülen….???)

Auch hier reichen Weidewechsel oder geringe Kraftfuttergaben aus, denn ein zu hoher Fettansatz kann wiederum zu Eierstockfehlfunktionen führen.

Zu viel des Guten erschwert also auch das Trächtigwerden!

 

Mit Kraftfutter meine ich übrigens nicht immer Getreide und veredelte Getreidefuttermittel wie Pellets!

Es soll den Tieren einfach energie- und rohfaserreiches Futter angeboten werden.

Junge Weide, Zuckerrüben oder Zuckerrübenschnitzel, Gras- oder Maissilage, Getreidespreu (Mühlenabfälle) selbst außerordentlich gutes Heu von artenreichen Wiesen erhöhen die Energiebilanz in der Futterration!



Für den Bock ist das die schönste Zeit des Jahres...
Für den Bock ist das die schönste Zeit des Jahres...

 

Niedertragendes Stadium

(1.-3. Monat)

 

Nach der Paarungszeit sollten zusätzliche (über den eigentlichen Bedarf gehende) energiereiche Futtergaben wieder langsam eingestellt werden, denn die – wie auch unnötiger Stress – können die Embryonensterblichkeit erhöhen.

Die Schafe befinden sich jetzt in der „niedertragenden“ Phase, die etwa 100 Tage/3Monate andauert.

 

Ihr Energiebedarf ist nur unwesentlich höher als vor der Belegung, wir füttern also ganz „normal“.

Während dieser Zeit bleibt der Bock bei uns  in der Herde.

 

Hochtragende Mutterschafe
Hochtragende Mutterschafe
"breittragend" :-)
"breittragend" :-)

 

Hochtragendes Stadium

(4.und 5. Monat)

 

In den letzten 2 Trächtigkeitsmonaten – die Mütter sind jetzt „hochtragend“  – nimmt der Nährstoffbedarf wieder beachtlich zu.

Einerseits entwickeln sich die Föten jetzt rasant und demzufolge ist andererseits die Aufnahme für das Heu- und Silage-Grundfutter (bzw. die Bereitstellung von ausreichender Energie durch das Grundfutter), stark eingeschränkt.

Junge Weide im Sommer und gutes (in jedem Falle schimmelfreies!) Heu im Winter/Stall deckt i.d.R. diesen Nährstoffbedarf.

Eine vernünftige Fütterung/Nährstoffversorgung gewährleistet hohe Geburtsgewichte und vitale Lämmer.

Aber auch hier gilt wieder:

Viel hilft nicht immer viel, denn verfettete Geburtswege verkomplizieren die Lammung!

 

 

 

 






Richtige und ausreichende

(Zu-) Fütterung kann man auch beobachten:


Ruhen die hochtragenden Schafe oft, dann sind sie satt und versorgt, bzw. es herrscht Ruhe im Stall!




Lämmeraufzucht


Haben schon sehr gut aufgeeutert, es kann nicht mehr lange dauern!
Haben schon sehr gut aufgeeutert, es kann nicht mehr lange dauern!

 

Es ist empfehlenswert, einige Tage vor der Ablammung die Futterration mit Kraftfutter in Form von Getreide zu bereichern.

So vermeidet man drastische Futterwechsel direkt nach der Geburt.

Die dann auch wechselnde Zusammensetzung der Milch kann bei den Lämmern zu Verdauungsproblemen und Durchfall führen.

 

Säugende Mutterschafe - Laktationsphase

 

Sofort nach der Geburt beginnt die Laktationsphase.

Nun haben die Mutterschafe den größten Energie- und Nährstoffbedarf, denn die Milchbildung verlangt Höchstleistungen von ihnen.

Gleichzeitig ist aber auch das Futteraufnahmevermögen (vor allem des Pansens) fast wieder hergestellt.

So kann viel Energie über das (hoffentlich einwandfreie) Grundfutter bereitgestellt werden.

Trotzdem ist eine Kraftfuttergabe in Form einer rohproteinreichen – also eiweißreichen –  Getreidemischung für die schnelle Anfangsentwicklung der Lämmer zu empfehlen.

Mischungen aus Sojabohnen und Raps sowie Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Lupinen oder Erbsen haben den höchsten Rohproteingehalt, und natürlich auch ihren Preis…

Bei Kamerunschafen sollten pro Tag zwischen 100 und 150g je gesäugtes Lamm reichen.

Im Zweifelsfall bitte die Herstellerangaben beachten, erfahrene Halter, Züchter und/oder den Tierarzt befragen.

Stets sauberes Tränkwasser versteht sich – natürlich ganzjährig – von selbst.

Handelsübliche Kraftfuttermischungen decken meist auch den Mineralstoff- und Vitaminbedarf ab, der jetzt freilich auch erhöht ist.

Ansonsten haben wir ja überall die klassischen Lecksteine!

 

 

 

 

 

 

Der Laktationszeitraum unterteilt sich in 3 Abschnitte:

 

          1. Die Milchphase

          2. Die Übergangsphase

          3. Die Wiederkäuerphase


 


 

Milchphase (1.-2. Lebenswoche)

 

Die Milchphase, in der das Lamm ausschließlich Milch aufnimmt, beginnt mit der sogenannten

 

Biestmilchperiode (1.-max. 2. Tag.)

 

sofort nach der Geburt.

Die Biestmilch, oder das Kolostrum, ist sehr dickflüssig.

Es hat einen 2-3-fach höheren Trockensubstanzgehalt als normale Milch. Dieser Umstand macht es zu einer regelrechten Nährstoffbombe!

Der Fettanteil ist stark erhöht und der Eiweißgehalt schwankt sogar zwischen 15 – 20%!

Doch nur am ersten Lebenstag können bestimmte Eiweißbausteine (sogen. Albumine und Globuline) direkt und unverdaut (!) über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen und das Neugeborene mit Nährstoffen versorgen.

Schutz vor Krankheiten und Infektionen bieten eine Vielzahl von Immunstoffen, sowie auch der hohe Gehalt an Mineralien und Vitaminen.

 

Deshalb ist es für das Lamm lebensnotwendig, bereits 15-30 Minuten

nach der Geburt die Zitzen der Mutter zu finden!

 

Denn schon nach einigen Stunden, spätestens aber am 2. Lebenstag ändert sich die Zusammensetzung des Kolostrums.

Alle erhöhten Gehalte fallen wieder ab und nach ca. 1 Woche sind die Werte normaler Milch erreicht.

 

 

 

Als Trockensubstanz bezeichnet man übrigens den Teil eines Futtermittels (einschl. Milch), der nach dem (Roh-) Wasserentzug durch die Erwärmung des Futtermittels im Labor übrig bleibt!

Und das sind die Energieträger Rohprotein, Rohfett und Rohfaser.

Aus Nährwerttabellen für menschliche Ernährung vielleicht besser bekannt unter Eiweiß, Fett und Kohlehydrate, das ist aber prinzipiell nichts anderes.

Bei verschiedenen Futtermitteln kommen sie natürlich auch in verschiedenen prozentualen Anteilen vor.

Da die Zeit der Kolostralaufnahme recht knapp ist, bietet es sich an, immer etwas davon eingefroren zu haben, falls das Lamm nicht von allein trinkt, oder die Mutter kein Kolostrum gebildet hat. Hier funktionieren i.d.R. auch Biestmilch von Kuh und Ziege, die man dem Lamm mit einer Babyflasche einflößt. Also  Flasche, Sauger, Bade- und Fieberthermometer etc. bereit halten!

 

Ist auch das nicht vorhanden oder schnell zu bekommen, hilft möglicherweise das folgende Rezept:

 

650ml Kuhmilch mit einem Ei (Protein), einem Esslöffel Lebertran (Fettersatz und wichtige Vitamine) und 20g Traubenzucker (schnell verfügbare Kohlehydrate) verrühren. Das Ganze auf 39 °C erwärmen und mindestens 4-5-mal am Tag verabreichen. Dabei sollten anfangs wenigstens 20-40ml vom Lamm aufgenommen werden.

Im Fachhandel erhält man natürlich ebenso entsprechende Produkte, die sich auch über längere Zeiten einwandfrei lagern lassen.

Kolostralersatzpulver enthalten analog die gleichen Inhaltsstoffe wie "richtige" Biestmilch, also Proteine, Vitamine, Kohlehydrate und Milchsäurebakterien zur Anregung der Darmflora.

Weiterhin gibt es auch "Starthilfen" als Pasten aus der Tube zur Steigerung der Abwehrkräfte der neugeborenen Lämmer. 

Für die Zeit ab dem 2./3. Tag besorgt man sich im Landhandel Milchaustauschpulver, welches meist mit erwärmten Wasser angerührt  wird.

 

 

 

 

Erstgebärende Schafe sind oftmals noch unsicher, auch im Umgang mit ihrem Lamm oder Lämmern.

Zur Förderung der Mutter-Kind-Beziehung empfiehlt sich die kurzfristige Haltung in Einzelboxen.

Schon nach wenigen Tagen erkennen sich beide sicher an ihrem jeweiligen Geruch.

 

Übergangsphase

(3.-ca. 6. Lebenswoche)

 

Spätestens ab der 3. Lebenswoche sollte man den Lämmern in einem gesonderten und für die Mutterschafe nicht erreichbaren Abteil, Trockenfutter in Form von gutem Rauh- und Kraftfutter anbieten.

Da sich jetzt das Verdauungssystem (insbes. der Pansen) entwickelt und somit auch nach und nach Rauhfutter verwertet werden kann, wird dieser Lämmerschlupf bald gern aufgesucht.

Durch die regelmäßige Aufnahme rohfaserreicher Nahrung (also Heu) werden die mikrobiellen Verdauungsprozesse des jungen Schafes erheblich gefördert. Die Mütter säugen weiterhin ihre Lämmer und erhalten Kraftfuttergaben sowie bestes Grundfutter, bzw. Weide.

 

Wiederkäuerphase (ab der 7./8. Lebenswoche)

 

I.d.R. ist das Lamm jetzt in der Lage, seinen Nährstoffbedarf ausschließlich über pflanzliche Nahrung zu decken, da alle Verdauungsorgane nun entsprechend entwickelt sind. Die Ansprüche an ein außerordentlich gut verdaubares Futter sind nicht mehr so hoch.

Nun soll die Nährstoffzufuhr nicht mehr über die Muttermilch gewährleistet werden, sondern über ein wiederkäuergerechtes Futter.

Da bei uns die Schafe erst 6-7 Monate nach einer Lammung wieder belegt werden

(1 Lammung/Jahr), werden die Lämmer natürlich an der Mutter aufgezogen.

Bocklämmer werden nach 3-4 Monaten abgesetzt (bis zu diesem Zeitpunkt darf sich im Lämmerschlupf bedient werden), weibliche Lämmer werden erst von ihren Müttern getrennt, wenn Mitte September der Bock zur Herde gestellt wird.

Bis zum Absetzen der Bocklämmer erhalten auch die Mütter (geringe) Kraftfuttergaben in Abhängigkeit der Weidequalität (siehe vorn).



Jetzt schließt sich der „Fütterungskreislauf“ und beginnt wieder von vorn.


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